BEITRÄGE

Der Mutscheller Cupsieg aus Fan-Sicht

Gross war die Vorfreude auf diesen Cupfinal. Und sie stieg von Tag zu Tag. Nun war er endlich gekommen. Der Auffahrts-Donnerstag, 30. Mai 2019. Der Tag an dem der FC Mutschellen zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte in einem Aargauer Aktiven-Cupfinal stehen würde. Der Tag an dem das Team in Windisch auf den Ligakonkurrenten Othmarsingen trifft.

Vize-Präsident Andreas Meier hatte sich zuvor für dieses Happening mächtig ins Zeug gelegt. Am Vorabend holte er die extra produzierten Shirts im Kanton Solothurn ab. Und noch am Vormittag ging er schon bei einzelnen Familien vorbei um die Shirts abzugeben. Überhaupt ist es seinem Einsatz zu verdanken, dass sich mehr als 150 Personen für die Carfahrt nach Windisch angemeldet haben. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Andreas!

Nun, um 14.30 Uhr war der offizielle Besammlungszeitpunkt für die Fans auf der Burkertsmatt. Dass die Vorfreude beim Fantross gross war, sah man darin, dass sich die meisten schon wesentlich früher am Treffpunkt einfanden. Hier durfte jeder ein Fan-Shirt beziehen und ein Willkommens-Getränk zu sich nehmen. Die Spieler indes statteten der Meute nach genossenem Mittagessen einen Besuch ab. Die Anspannung war bei ihnen verständlicherweise spürbar. Das Team brach mit einem eigenen Car rund 10 Minuten vor den weiteren vier Bussen nach Windisch auf. Die Stimmung in den Fan-Cars war bei der Hinreise von Vorfreude geprägt, aber doch eher verhalten. Irgendwie logisch, war das doch der Anspannung aber bei manchen wohl auch dem noch nicht allzu weit fortgeschrittenen Bierkonsum geschuldet.

Bei der Ankunft im Windischer Dägerli waren die Ordnungshüter zuerst ein bisschen überfordert. Die vier Fan-Cars entleerten sich im schmalen Strässchen der Sportanlage gleich auf einmal mit 150 in grün gekleideten Nasen. Diese verteilten sich aber rasch an den Spielfeldrändern und im Festzelt. Trotzdem liess man die Organisatoren und die übrigen Zuschauer bereits erahnen, wer hier in den nächsten Stunden den Ton angeben würde.

Die Minutenzeiger drehte sich unaufhaltsam in Richtung der Fünf. Und die in grün gekleideten Fans machten sich immer zahlreicher in Richtung Gegenseite auf. Wir hatten uns als «grüne Wand» den Platz rechts neben der Spielerbank ausgesucht. Just jener Spielerbank, auf der unser Team Platz nehmen würde. Auf dieser Fläche hatte bei weitem nicht jeder Platz, gleich am Spielfeldrand zu stehen. Zwei bis drei Reihen garantierten nicht jedem optimale Sicht auf das Geschehen. Dazu trugen wesentlich auch mindestens 100 weiteren Zuschauer bei, die auf eigene Faust nach Windisch reisten. Total sollen für dieses Spiel ganze 2’950 Fans das Windischer Dägerli gesäumt haben.

Das Team hatte sich in der Zwischenzeit auf einem Nebenplatz vorbereitet. Wir kamen die Spieler erst wieder zu Gesicht, als die beiden Teams und das Schiedsrichter-Quartett auf den Platz einlief. Mit Jubel, Fahnen, Paukenschlägen und einem schönen Transparent hiessen wir unsere Helden willkommen. Das ganze Spiel über feuerten wir unser Team mit Gesängen an. Und das schien zu wirken.

Zum Spiel selber: Eine klare Sache war das ganz klar nicht, auch wenn sich das unser Nervenkostüm wohl eher gewünscht hätte. Der Gegner startete besser in die Partie. Mutschellen brauchte 15 Minuten um ins Spiel zu finden, hatte dann aber die bedeutend besseren Tormöglichkeiten als Othmarsingen. Luca Merendino traf als vorläufigen Höhepunkt lediglich die Latte. Dann, in der 37. Minute, die Führung für unser Team. Jubel, Ekstase. Roger Pfyl lancierte mit seinem Pass Luca Merendino. Alleine vor dem gegnerischen Torhüter liess er sich die Chance nicht entgehen und traf zum 1:0. Die Freude des Mutscheller Anhangs dauerte jedoch nur marginal. Praktisch im Gegenzug traf Gezim Zeqiraj zum Ausgleich. Oder doch nicht? Othmarsingen jubelte zwar, der Schiedsrichter-Assistent aber hatte seine Fahne oben und zeigte Offside an. Kurze Beratung zwischen dem Referee und seinem Assistenten. Dann die Entscheidung: Tor, 1:1. Nun, sei es, wie es ist. Der letzte Höhepunkt in dieser Halbzeit war das noch nicht. Roger Pfyl wurde vom Othmarsingen-Hüter im Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht: Penalty. DIE grosse Chance, mit der Führung in die Pause zu gehen. Leandro Russo jedoch ahnte die Ecke und parierte den Abschlussversuch von Fabrice Moser.

Ja, ein Lattenschuss, die Führung, ein unmittelbares Gegentor, das im Verdacht stand, aus Abseitsposition erzielt worden, zu sein und ein verschossener Elfmeter. Dieses Cupspiel bot in Umgang eins wirklich alles, was das Fussballerherz begehrt. Und vieles, auf das das FCM-Herz und die Nerven hätten verzichten können.

Dann hatten die Teams den Pausentee getrunken und standen wieder auf dem Feld. Mutschellen blieb die aktivere Mannschaft. Dann brach die 51. Minute an. Manuel Jungen packte seine ganze Klasse und Übersicht aus, flankte einen langen Ball in Richtung Strafraummitte. Dort schraubte sich Blerim Pnishi hoch und erzielte per Kopf über Leandro Russo hinweg die umjubelte Führung. Was für ein Angriff, was für ein Abschluss! Unser Team führte nun wieder, zog sich jedoch nicht einfach in die eigene Hälfte zurück. Man suchte die endgültige Vorentscheidung und war dieser eher näher als Othmarsingen dem erneuten Ausgleich. So verging Minute um Minute. Wirklich gefährlich wurde der Gegner kaum einmal, zu gut stand die Mutscheller Defensive an diesem Abend. Dann waren die 90 Minuten abgelaufen, weitere drei wurden draufgepackt. Aber auch diese verliefen ergebnislos. Der Schlusspfiff kam und die Spieler lagen sich jubelnd in den Armen. Mit der Zeit gesellten sich auch die Fans zu dieser jubelnden Menge und bevölkerten das Spielfeld in grün.

Es folgte die Pokal- und Medaillenübergabe an die Mannschaft. Noch lange feierten das Team und die Fans auf dem Platz, bis sich die Supporter langsam auf den Weg für die Rückreise zu den Cars machten.

Diese Rückfahrt war nun um einiges fideler als noch die Hinreise. Die Gesänge, die bereits das Spiel über angehalten hatten, ebbten auch im Car nicht ab. «Zweimal um dä Chreisel» wurde dabei des öfteren skandiert. Die Carfahrerinnen und Carfahrer zeigten Humor und setzten den Wunsch der johlenden Menge meist in die Tat um.

In der Stalden Bar sollte nun weiter gefeiert werden. Mindestens 50 Personen kamen diesem Aufruf nach und versammelten sich in der Beriker Bar. Rund eine Stunde nach unserer Ankunft kündigte sich dann auch endlich der Car mit den Spielern und dem Staff an. Nochmals begrüssten wir unsere Helden mit Fangesängen und Fahnen. Die Mannschaft tat es uns gleich und skandierte «Mir händ die beste Fans». Neben dem Team war nun auch der Pokal zu Gast im Stalden. Unentwegt wurde er mit Bier und anderen Flüssigkeiten gefüllt und rumgereicht. Alle konnten einmal die begehrte Trophäe in den Händen halten und sich daraus verköstigen. Bis weit nach Mitternacht feierten wir in der Bar weiter.

Was war das für ein Tag heute! Er war rundum perfekt! Von der Organisation, über die Stimmung bis hin zu einem Spiel, das an Spannung kaum zu überbieten war. Herzlichen Dank an unsere Mannschaft, an die Team-Betreuer und natürlich an alle mitgereisten Fans. Alle zusammen haben dazu beigetragen, dass dieser Tag für uns alle unvergesslich bleiben wird.

Nun steht der FCM in der ersten Hauptrunde des Schweizer Cups in der kommenden Saison. Mit etwas Losglück kann man dabei auf einen Super Ligisten-Treffen. Oder auf GC. Die Auslosung für die erste Runde wird am 28. Juni stattfinden. Das Spiel wird am Wochenende vom 17. Und 18. August 2019 stattfinden.

Hier noch das für unseren Verein historische Telegramm des Spiels:

 FC Mutschellen – FC Othmarsingen 2:1 (1:1)

Dägerli. – 2’950 Zuschauer. – SR: Fleischli. – Tore: 37. Merendino 1:0, 39. Zeqiraj 1:1, 51. Pnishi 2:1.
Mutschellen: Riesen; Jungen, Moser, Garofalo, Brunner; Stadelmann, P. Pfyl, Meindl; R. Pfyl (92. Lodi), Merendino (78. Sforza); Pnishi (67. Kempter).
Othmarsingen: Russo; Volger (87. Vrella), Villiger, Bürgisser, B. Zeqiraj (54. Kul); Baalbaki; Pjetri, De Sousa; Murati (67. Isler), G. Zeqiraj; Bushaj.
Verwarnungen: 45. Russo, 57. Brunner, 66. Baalbaki, 70. Stadelmann, 70. Villiger (alle Foul).

Weitere Spieler, die zur Cupsiger-Mannschaft gehören: Scheifele, F. Pnishi, Dos Santos, Wild, Alidemaj, Lo Presti, Kretz, Felder, Keller, Huber, Zimmermann. Trainerteam: Colacino, Delle Chiaie, Mauberger, Fistarol.